Die Sprache der Schriften

Fonts korrekt einsetzen

Im Alltag treffen wir ständig auf Texte. Wir lesen, wir registrieren Informationen und wir schreiben selber Dinge auf. Was wir dabei kaum wahrnehmen, ist – paradoxerweise – die Schrift selbst. Oder weißt du noch, welche Schriftart du heute Morgen auf dem Poster in der Bahn gesehen hast? Nichtsdestotrotz sprechen die Schriften zu uns. Warum dem so ist, wie sie uns beeinflussen und wie wir die Wirkung der Schriften für unsere Zwecken einsetzen können, erklären wir dir hier.

Die Sprache der Schriften als Gestaltungselement
Als Designelement und Informationsträger geht es darum, die Schrift gekonnt als Gestaltungselement einzusetzen.

Warum Typografie wichtig ist

Nehmen wir die Schrift als Informationsträgerin kaum wahr, so ist sie das wohl sicherste Indiz einer gelungenen typografischen Gestaltung. Auffällig sind Schriftarten vor allem, wenn sie irritieren – und das ist in der Regel dann der Fall, wenn sie in einem Missverhältnis zur Aussage oder zu den anderweitigen Gestaltungsmitteln stehen. Das Ziel der typografischen Gestaltung wird hierdurch bereits ausgedrückt: Es geht darum, die Schrift gekonnt als Gestaltungselement einzusetzen. Hierbei ist sie – trotz ihres meist eher zurückhaltenden Charakters – mindestens ebenso wichtig wie Bilder, Farben und sonstige Aspekte der Gestaltung.

 

Die besondere Aufgabe der Schrift ist, anders als bei den meisten anderen Gestaltungsaspekten, dass sie mehrere Funktionen übernimmt:

 

  • Sie ist ein Designelement und soll Interesse wecken sowie zur (Marken-)Botschaft beitragen.
  • Sie ist Informationsträger, weshalb sie gut lesbar sein muss.

Dieser Doppelrolle ist die besondere Aufmerksamkeit, die der Typografie im Gestaltungsprozess zukommt, geschuldet. Ein gutes Design zeichnet sich aus typografischer Perspektive vor allem dadurch aus, eine Balance zwischen beiden Funktionen zu erreichen. Eine gut gewählte Schrift vereint demnach funktionale und künstlerisch-marketingtechnische Aspekte in sich, womit ihr eine doppelte Vermittlungsrolle zukommt.

Die Grundlagen: Serif, Sans-Serif und Co

Wer die Schrift für sich sprechen lassen möchte, sollte sich daher gut mit ihren eher technischen Aspekten auskennen. Der wohl wichtigste theoretische Punkt, den du kennen solltest, ist die Unterteilung in vier Grundschriftarten: Serif, Sans-Serif, Schreib- und Dekoschrift.

  • Serif: Serif-Schriften verfügen über Anfangs- und Endstriche an den Buchstaben. Sie sind vor allem für gedruckte Texte geeignet.
  • Sans-Serif: Sans-Serif-Schriften kommen sans, also ohne, Serifen aus. Sie werden vor allem im digitalen Bereich genutzt und sind damit typische Webfonts.
  • Schreibschriften: Diese Schriften imitieren klassische Handschriften. Sie werden beinahe ausschließlich als besondere Designelemente genutzt.
  • Dekoschriften: Dekoschriften sind besonders auffällig und verspielt. Verwendet werden sie etwa in Logos und Überschriften von besonderen Druckerzeugnissen wie Speisekarten oder Einladungen.
Grundschriftarten
Die Unterteilung der vier Grundschriftarten:
Serif, Sans-Serif, Schreib- und Dekoschrift.

Weitere zentrale Aspekte einer Schrift sind die Buchstabenformen, die x-Höhe, die Linienbreite und die Achswinkel.

  • Buchstabenform: Am O ist die Buchstabenform einer Schrift meist gut zu erkennen. Mal ist es rund, mal eher oval; mal wirkt es platter, mal länglicher. In diesen Aspekten unterscheiden sich Schriften voneinander.
  • x-Höhe: Die x-Höhe gibt den Abstand zwischen dem untersten Punkt der Kleinbuchstaben (außer p und q) und ihrem höchsten Punkt an. Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Schriftarten.
  • Linienbreite: Die Linien, aus denen die Buchstaben bestehen, können dicker oder dünner sein. Hier gibt es Nuancierungen, die manchmal sehr auffällig, vielfach aber auch subtil sind.
  • Achswinkel: Buchstaben stehen nicht immer absolut gerade und sind nicht zwingend symmetrisch gestaltet. Auch diese Unterschiede sind für den Einsatz verschiedener Schriften bedeutend.

Typografische Gestaltung: Schriften kombinieren für die ideale Wirkung

Wirklich wichtig ist das Wissen um die Grundlagen der Typografie nicht nur in der Auswahl einer produktbezogen geeigneten Schriftart, sondern auch, wenn mehrere Schriftarten kombiniert werden sollen. Aus gestaltungstechnischer Sicht bietet sich das häufig an, da es Harmonien befördern, den Blick steuern und das Produkt so insgesamt interessanter wirken lassen kann. Doch wie lassen sich Schriften gut kombinieren? Und was sind No-Gos?

Prinzipiell gilt die Devise: Weniger ist mehr. Ein Text, der aus fünf verschiedenen Schriftarten zusammengesetzt ist, ist nur schwer zu lesen. Er wirkt unruhig, wir lassen den Blick ständig schweifen und bleiben immer wieder an der Schrift hängen, ohne uns auf den Inhalt konzentrieren zu können. Üblich ist die Arbeit mit zwei verschiedenen Schriftarten, die in einem gewissen Kontrast zueinander stehen, ohne einen sichtbaren Bruch zu erzeugen. Du merkst: Typografie kann ganz schön kompliziert sein. Es lohnt sich jedoch, Zeit und Mühe in die Arbeit an der Schrift zu stecken.

Schriften kombinieren
Üblich ist die Arbeit mit zwei verschiedenen Schriftarten, die in einem gewissen Kontrast zueinander stehen, ohne einen sichtbaren Bruch zu erzeugen.

Eine einzige Schrift zu verwenden, lässt das Schriftstück nüchtern und sachlich wirken. In manchen Kontexten ist das gewollt, in anderen erzeugt es hingegen Langeweile und schmälert damit den Erfolg. Die Kombination von serifenloser und Serifenschrift kann hier für Auflockerung sorgen. Sinnvoll ist es etwa, eine Schrift für Überschriften und eine andere für Fließtexte zu verwenden. Kombinierst du eine Serif-Schrift mit einer Sans-Serif-Schrift, solltest du darauf achten, dass die beiden Fonts sich in den Merkmalen ähneln.

 

Manchmal werden auch zwei Serifenschriften oder zwei Sans-Serif-Schriften kombiniert. Das gelingt vor allem, wenn hier merkliche Unterschiede in einem anderen Aspekt vorliegen – etwa in der Linienbreite. Auf wirklich starke Gegensätze wird hingegen nur selten gesetzt, weil ein massiver Kontrast irritierend wirkt und vom Inhalt ablenkt.

Das gewisse Extra
Durch verschiedene Gestaltungsmittel lassen sich Hierarchen zwischen einzelnen Textteilen verdeutlichen.
Fettierung, Kursivierung, Farbe – das gewisse Extra

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der typografischen Gestaltung sind Hervorhebungen durch Fettierung, Kursivierung und Farbe. Mit diesen Gestaltungsmitteln lassen sich etwa Hierarchien zwischen einzelnen Textteilen verdeutlichen und mit Harmonien oder Kontrasten spielen. Gleiches gilt für die Schriftgröße. Wichtig ist hier, Überschriften, markante Stellen usw. deutlich hervortreten zu lassen, ohne das harmonische Gesamtkonzept zu brechen. Traditionell wird daher auf eher sanfte Hervorhebungen mit halbfetter Schrift und doppelter Schriftgröße für Überschriften gearbeitet.

Der Blicksteuerung und der Hervorhebung wichtiger Passagen dienen darüber hinaus die Ausrichtung des Textes und der Zeilenabstand. Die typografische Gestaltung endet also nicht mit der Entscheidung für eine Schriftart. Klassischerweise wird der Blocksatz verwendet, der eine klare Unterteilung der Textblöcke zulässt; im Internet gilt das jedoch nicht, da er meist nicht für ein Responsive Design geeignet ist. Der Zeilenabstand ist ebenfalls vor allem vom Medium abhängig.

Ein absolutes No-Go sind Unterstreichungen. Besonders bei Webfonts sind sie unglaublich irritierend, da in der Regel nur Links unterstrichen werden. Auch bunte Schriften wirken unübersichtlich und unprofessionell. Auf Werbeplakaten gilt das jedoch nicht zwingend. Hier sind einmal mehr Kontext und Zielgruppe von großer Bedeutung.

Schriftarten finden und testen

Gefunden und ausprobiert werden können verschiedene Schriftarten über das Google Tool Google Fonts. In Google Fonts lassen sich verschiedene Schriften kombinieren und variieren, sodass unterschiedliche Wirkungen in einer Testumgebung durchgespielt werden können.

Unterstützung gefällig?

Die Auswahl der richtigen Schrift ist nicht leicht. Wir stehen dir allerdings gerne mit Rat und Tat zur Seite. Egal, ob es um die Gestaltung einer Broschüre, eines Verpackungsdesigns oder deiner Website geht: Wir finden mit dir gemeinsam den passenden Stil. Schreib uns bei Interesse eine Nachricht oder buche dir direkt hier im Kalender einen passenden Termin für ein erstes unverbindliches Gespräch.